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Umkämpfter Punktverlust


20. März 2017 – 25. Spieltag:

Auch die schönste Serie reißt einmal: Seit 1920 hat der Club nicht mehr beim Lieblingsgegner Union Berlin verloren. Doch am Montagabend setzte es eine späte 0:1-Niederlage in einer bissig umkämpften Partie, mit dem Schiri als kuriosem Wendepunkt.

Eigentlich hätte sich der Club fast alle bisherigen Live-Partien am Montagabend schenken können: Ein Sieg, ein Unentschieden und vier Niederlagen bescherte uns der ungeliebte Montagskick. Keine Bilanz, die dem leidgeprüften Cluberer den Wochenstart nachhaltig versüßt haben dürfte. Aber es passt ins maue Gesamtbild dieser durchwachsenen Saison.

Trotzdem habe ich mich auf das Auswärtsspiel bei Union Berlin gefreut. Nicht umsonst ging es gegen unseren Lieblingsgegner in der 2. Liga: 6 Siege und 1 Unentschieden in den letzten Jahren sind eine beeindruckende und sehr ungewöhnliche Positivbilanz für den FCN. Doch diesmal waren die Vorzeichen anders als sonst. Die Eisernen spielen um den Aufstieg mit und verfügen über ein eingespieltes Team, das durch jüngste Erfolge genügend Selbstvertrauen sammeln konnte. Doch der Club ist nicht umsonst die Spaßbremse aus der Noris – entweder für den Gegner oder für die eigenen Fans.

Die 1.500 mitgereisten Cluberer bewiesen dennoch feines Gespür und zeigten im ganzen Block eine schwarze Choreo in Gedenken an den vor über einer Woche verstorbenen Heino Hassler: „Wir gingen einen langen Weg gemeinsam, aber er war doch zu kurz.“ Respekt für diese tolle Aktion vor dem Spiel. Ehre, wem Ehre gebührt.

Viel Pressing, wenig Raum

So stimmungsvoll und engagiert wie auf den Rängen verlief dann auch die Partie auf dem Rasen: Union spielte forsch nach vorne und wollte seinen guten Tabellenplatz bestätigen. Der Club hielt geordnet, solide und mit viel Kampf dagegen. Die Berliner attackierten früh. Ihr Pressing sorgte dafür, dass sich die Partie weitestgehend in den 30 Metern auf beiden Seiten der Mittellinie abspielte. Alles verdammt eng und kaum Raum, um den Ball ungestört laufen zu lassen.

Daher entwickelte sich eine zerfahrene und bissige Partie, weil sich die 20 Spieler irgendwie ständig auf den Füßen standen. Viele Zweikämpfe und Fouls, alles nicht wirklich unfair, aber ständige Unterbrechungen. Der Ruhmreiche hielt robust dagegen und ließ wenig zu. Eisern eben. So stockte der Spielfluss, bevor er überhaupt ins Rollen kam. Irgendwo war immer ein Gegenspieler im Weg. Torchancen Mangelware. Es war ausnahmsweise einmal nicht das sonst übliche Torspektakel, wenn beide Teams aufeinandertreffen. Diesmal setzte der Club auf eine konzentrierte Verteidigung, was ganz gut gelang, obwohl das Team in dieser Zusammensetzung und Aufstellung so noch nie zusammengespielt hat. Und es wahrscheinlich auch so bald nicht mehr tun wird. Möhwald als einsame Sturmspitze – nun ja, gewöhnungsbedürftig.

Schiri stört

So schleppte sich die Partie bis zur 74. Minute mit einer zweikampfbetonten Abnutzungsschlacht dahin. Irgendwie deutete alles auf ein 0:0, obwohl beide Mannschaften gewinnen wollten. Doch dann sorgte Schiedsrichter Jochen Drees für eine unverhoffte Unterbrechung, verschwand in den Katakomben und ließ sich den Oberschenkel für mehrere Minuten behandeln. Diese Verletzungsunterbrechung hat der Konzentration des Altmeisters anscheinend nicht gutgetan. Plötzlich ging die bisher geordnete Vorstellung verloren und der Club patzte in den entscheidenden Situationen:

Erst darf in der 81.Minute Ex-Spieler Polter alleine auf Schäfer zulaufen und glücklicherweise den Ball nur an den Innenpfosten schieben. Dann vergeben wir im Gegenzug fahrlässig einen Konter mit einer 2:1-Spielerüberzahl, weil Ishak es nicht fertig brachte, präzise auf den in der Mitte mitgelaufenen Möhwald zu passen. So konnte Berlins Verteidiger zur Ecke klären und unsere größte Torchance war dahin!

Kurz danach kann sich Union von rechts in unseren Strafraum reintanken, ein Flachpass in den Rücken der Abwehr und aus zehn Metern knallt die Kugel an Schäfer vorbei hoch ins Netz. 0:1 und mir war klar, dass diesmal unsere Union-Serie reißen wird. Die Eisernen spielten reguläre Restminuten und Nachspielzeit souverän runter und waren dem zweiten Tor sogar näher als der Club dem Ausgleich.

Sturm stagniert

Der Altmeister verlor in Summe verdient, hätte aber aufgrund der kämpferisch kompakten und taktisch geordneten Mannschaftsleistung auch einen Punkt verdient gehabt. Stattdessen musste Keeper Schäfer in seinem 100. Zweitligaspiel eine Niederlage hinnehmen. Es ist zwar eine Weiterentwicklung des Teams unter dem neuen Trainer Köllner zu erkennen, aber die Offensivleistung bereitet leider Kopfzerbrechen. Nicht präzise, nicht zwingend, nicht konsequent. Der Sturm stagniert!

Hier hat unser Coach noch einiges an Arbeit vor sich, doch Köllners Fazit nach dem Spiel ist realistisch und zuversichtlich:

„Wir sind leidenschaftlich aufgetreten, haben einen hohen Aufwand betrieben und das Spiel von Union gut gelesen. Über weite Strecken der Partie haben wir es sehr gut gemacht. Wir haben versucht Fußball zu spielen. Leider ist der letzte Pass meist nicht angekommen. Insgesamt war es ein engagierter Auftritt. Damit kann man zufrieden sein, mit der Punkteausbeute dagegen nicht. Mit unserer jungen, neu formierten Truppe haben wir bei dieser Kulisse kühlen Kopf bewahrt und Stand gehalten. Natürlich gibt es auch noch einige Dinge, die wir verbessern müssen. Aber ich mache mir überhaupt keine Sorgen, dass uns das nicht gelingt.“

Klar, es ist in Summe keine Schlappe, über die man sich als Cluberer lange grähmen muss. Union Berlin spielt eine überragende Saison und hat das nötige Matchglück, eine enge Partie doch noch zu gewinnen. Nicht unverdient, wenn auch unerwartet, sind sie der neue Tabellenführer nach dem 25. Spieltag. Das erinnert mich alles ziemlich an den FCN der Vorsaison. Kann man nur hoffen, dass den Eisernen nicht das gleiche Relegationsschicksal droht. Ja, mit schnelllebigem Ruhm kennen wir uns leider bestens aus – wer steigt schon nach Meisterschaft und Pokalsieg ab… Aber vielleicht schafft Union den Direktaufstieg, was ich dem authentischen Kultverein aus Köpenick gönnen wurde. Und außerdem sind sie jetzt nicht mehr unser Lieblings-Punktelieferant – sollen sie ruhig die 1. Liga aufmischen :-).

Wir dagegen bleiben noch einige Zeit zweitklassig und müssen noch viele Montagsspiele ertragen.

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4 Kommentare zu “Umkämpfter Punktverlust

  1. […] genommen sind es schon 10 Jahre und 14 Tage! Denn hätte Frank Ordosch nicht sein Clubgeflüster-Jubiläum verkündet, hätte ich es wohl noch länger verschlafen! 🙂 Also an dieser Stelle ein […]

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  2. […] Umkämpfter Punktverlust […]

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  3. Treffende Beschreibung des Spiels!
    Auffällig, dass wir unter AS ziemlich viel von unserer Gefährlichkeit bei Standards verloren haben. Ecken und Freistöße könnten wir uns eigentlich gleich schenken. In der Kürze der Zeit konnte Köllner daran noch nichts ändern, aber evtl. reicht ja die Länderspielpause zum Einüben.

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