Max und seine Schanzer. Beim DFB-Pokal-Erstrunden-Spiel 2019 haben wir uns persönlich kennengelernt und hatten seitdem immer wieder Kontakt. Nach zwei Jahren Liga-Abstinenz steht wieder ein Duell Ingolstadt gegen den Club an. Max hat mich für ein Gästeblock-Interview für seinen Schwarz-Rot-Blog angefragt – und ich habe natürlich geantwortet.
Hallo Frank, vier Spiele, zwei Siege, zwei Remis. Ihr seid schon mal schlechter in eine neue Saison gestartet? Wie zufrieden bist du mit eurem Saisonstart?
Schon ziemlich zufrieden. Im DFB-Pokal weitergekommen mit einem engen 1:0-Arbeitssieg bei den Ulmer Spatzen. Wichtig war der Einzug in die zweite Runde, um nötige Zusatzeinnahmen zu erhalten. Nur das hat gezählt. Das Blamieren im Pokal haben wir diesmal nem anderen fränkischen Verein überlassen (*grins*). Auch der Auftakt in der Liga mit fünf Punkten war gut. Geärgert hab ich mich eigentlich nur über den späten Ausgleich in Paderborn: Da liegst du in der 1. Halbzeit zurück, drehst nach der Pause das Spiel und führst plötzlich 2:1, hast alles im Griff und vergibst mehrere Großchancen. Kriegst dann aus dem Nichts und ohne Not in der 88. Minute den unverdienten Ausgleich. Das nervt mich dann schon, weil das Team zwei Punkte hat liegenlassen. Genau das ist uns in der letzten Saison leider ständig passiert. Unentschieden nerven meistens und bringen dich nicht weiter.
Die vergangene Saison mit Platz 11 kann nach der Saison, die in der Relegation gegen uns endete, als „Übergangssaison“ bezeichnet werden. Meiner Ansicht nach verfügt ihr über einen breiten und echt guten Kader. Mit welchem Ziel geht der Club in diese Saison?
Offiziell hat Sportvorstand Dieter Hecking Platz 5 bis 8 als nächsten Schritt einer längerfristigen Entwicklung ausgegeben. Das scheint mir realistisch: Es gab zwar einen großen Schnitt mit vielen erwünschten Spielerabgängen, doch bis auf Robin Hack nach Bielefeld haben wir kaum Stammspieler verloren. Der Club hat somit ein eingespieltes Team und es wurde sogar noch punktuell verstärkt, so dass im Kader Qualität erhöht und Konkurrenzkampf angefacht wurde. Das sollte die Schlagkraft der Truppe verbessern. Wenn es gelingt, das Leistungsvermögen konstant abzurufen und vor allem Vorsprünge letztlich auch in Siege umzumünzen, ist sogar noch mehr drin. Aber machen wir uns nix vor – in dieser Saison tummeln sich in der 2. Liga mehr Hochkaräter mit einer Unmenge an Meisterschaften auf dem Briefbogen als jemals zuvor. Da brauchst du schon einen überragenden Lauf, um im Aufstiegskampf eine entscheidende Rolle zu spielen. Aber der Club kennt als Rekordabsteiger diese Liga sehr gut – vielleicht gelingt ein Überraschungscoup. Das Gute ist, dass in dieser Hinsicht der Druck ganz klar bei den anderen Vereinen liegt und wir nicht aufsteigen müssen. Aber wollen täten wir Fans natürlich schon …
Seit Juli 2020 steht Robert Klauß an der Außenlinie. Zuvor hattet ihr einen ähnlich hohen Trainerverschleiß wie die Schanzer. Ich zähle mal auf (seit Oktober 2013): Wiesinger, Prinzen, Verbeek, Ismael, Weiler, Schwartz, Köllner, Schommers, Canadi, Mintal, Keller und Wiesinger. Kehrt jetzt Konstanz beim Club ein?
Danke für diese beeindruckende Aufzählung. Die hätte ich aus dem Stegreif definitiv nicht hinbekommen Ja, der Club hat in den letzten Jahren viele Trainer gefressen und unverdaut ausgespuckt. Manche sind nie angekommen und konnten ihre Philosophie entfalten. Manche passten einfach von der Mentalität her nicht zum Verein und andere erkannten die finanziellen Grenzen und sind freiwillig weitergezogen. Mit Robert Klauß ist nun seit über einem Jahr ein Nobody beim FCN, der bis auf „Jahrgangsbester beim Trainerlehrgang“ noch keine großen Erfolge vorweisen konnte. Das meine ich gar nicht despektierlich. Denn Klauß hat in diesem einen Jahr bewiesen, dass er eine eigene Fußballphilosophie hat und die Mannschaft trotz seines jungen Alters führen, stabilisieren und entwickeln kann. Wenn ich das letzte Jahrzehnt an Trainer betrachte, ist allein die bisherige Dauer seiner Amtszeit schon mal ein Erfolg. Ich hoffe, dass Klauß noch länger Trainer bleibt, denn Konstanz kann dem chronisch aufgeregten FCN-Umfeld nicht schaden. Hier sehe ich den Club und seine neuaufgestellte Vereinsführung richtig gut unterwegs. Das gefällt mir und ist der richtige Weg. Ja, der Club kann jetzt sogar seriös.
Nach dem Relegationsdrama gegen euch drehte der FCI noch eine Ehrenrunde in der 3. Liga und ist nun mit drei Niederlagen und einem Sieg in die neue Saison gestartet. Wie hast du den Saisonstart des FCI verfolgt und welche Partie erleben wir am Sonntag im Sportpark?
Auch wenn der Saisonstart per se noch nicht aussagekräftig ist, hab ich das natürlich auch bei den Schanzern verfolgt. Gerade das interessante Aufsteigertreffen bei Dynamo am ersten Spieltag mit der deutlichen 0:3 Niederlage hat mich erstaunt. Und letzten Sonntag hab ich mir die Zweitligakonferenz im Internetradio angehört, während ich für den Urlaub die Dachbox aufs Auto montiert und alles eingeladen habe. Da hat es sechsmal in Darmstadt geklingelt und der FCI hat eine ordentliche 1:6 Klatsche eingefahren. Das hätte ich niemals erwartet. Und das gefällt mir nicht wirklich, weil ich nicht davon ausgehe, dass die Schanzer zweimal hintereinander so indisponiert sein werden. Ihr werdet am Sonntag versuchen, die Scharte auszuwetzen, werdet kratzen und beißen. Zudem vermute ich, dass das unglücklichst verlorene Relegationsdrama als Zusatzmotivator herhalten wird. Heißsporn Kutschke wird vermutlich auch wieder im Aggromodus sein. Zusammen mit Fans im Stadion wird das eine geile Kiste!

Dein Tipp für Sonntag?
Es wird ein emotionales Kampfspiel. Der Club muss beherzt dagegenhalten und seine bisher gezeigten Stärken erneut auf den Platz bringen. Behält der FCN kühlen Kopf, ist effizient und kaltschnäuzig, könnte es zu einem 2:1 Auswärtssieg reichen. Genauso wäre allerdings auch der erste Saisonsieg des FCI möglich und wahrlich keine Sensation. Ich lasse mich von dem verkorksten Saisonstart der Schanzer nicht blenden. Am Ostseestrand werde ich Sonntagmittag übers Internetradio verfolgen, wie das Duell 850 Kilometer weiter südlich ausgeht. Und danach gibt’s ein kühles Bier für die erhitzen Gemüter – so oder so.